Urheberrecht (Deutschland)

Das Urheberrecht der Bundesrepublik Deutschland ist der Teil der Rechtsordnung, der das Recht des Urhebers an seinen Werken schützt. Als objektives Recht umfasst es die Summe der Rechtsnormen der Bundesrepublik Deutschland, die das Verhältnis des Urhebers und seiner Rechtsnachfolger zu seinem Werk regeln; es bestimmt Inhalt, Umfang, Übertragbarkeit und Folgen der Verletzung des subjektiven Rechts. Es ist schwerpunktmäßig in dem Urheberrechtsgesetz (UrhG) aus dem Jahre 1965, dem Wahrnehmungsgesetz (WahrnG) und dem Verlagsgesetz (VerlG) kodifiziert. Es stellt das Pendant zum gewerblichen Rechtsschutz (z. B. dem Patent- und Markenrecht) dar und ist dem deutschen Privatrecht zuzuordnen. Während durch das Recht des gewerblichen Rechtsschutzes Ergebnisse geistigen Schaffens (sog. Immaterialgüter) auf gewerblichem Gebiet geschützt sind, schützt das deutsche Urheberrecht solche auf kulturellem Gebiet.
Das subjektive Urheberrecht bezeichnet das subjektive und absolute Recht, das die ideellen und materiellen Interessen des Urhebers an seinem Geisteswerk schützt.

Im Bereich des autonomen deutschen Rechtes gelten folgende Regelungen:
Im Bereich des europäischen Sekundärrechtes bestehen verschiedene Richtlinien, die das Ziel haben, die Rechtslage im Bereich der EU zu vereinheitlichen.
Schutzgegenstand des deutschen Urheberrechts sind gemäß § 1 UrhG Werke der Literatur, Wissenschaft, Kunst. Die in § 2 UrhG erfolgende Aufzählung (Reden und öffentliche Reden, Werke aus dem Computerbereich, Tanz und Pantomime, Lichtbildwerke und Filme) ist nicht abschließend. Als Werk sind in § 2 Abs. 2 „persönliche geistige Schöpfungen“ definiert. Nach herrschender Meinung umfasst dieser Werkbegriff vier Elemente:
Mit diesen Kriterien ist zugleich die Abgrenzung gegenüber technisch-naturwissenschaftlichen Erfindungen gegeben, für die das Patentrecht Schutz bietet. Zu unterscheiden ist das Werk vom Werkstück: Dieses ist nur die jeweilige Verkörperung des Werkes (so ist das gedruckte Buch die Verkörperung eines Romans). Das Werkstück unterliegt den Regelungen des Sachenrechts.
Der Schutz des Urheberrechts wird nicht ewig gewährt (wie etwa das privatrechtliche Eigentum). Der Schutz des Werkes beginnt, sobald die Voraussetzungen des § 2 Absatz 2 UrhG erfüllt sind. Es endet 70 Jahre nach dem Tode des alleinigen Urhebers (§ 64 UrhG). Eine entsprechende Regelung gibt es in § 65 UrhG für mehrere Urheber. Ist der Urheber anonym oder veröffentlicht er unter einem Pseudonym, erlischt das Urheberrecht in der Regel 70 Jahre nach Veröffentlichung (§ 66 UrhG). Mit Ende der Schutzfrist ist das Werk gemeinfrei. Stets gemeinfrei sind nach § 5 UrhG amtliche Werke.
Auch wenn ein Werk keine Schöpfungshöhe erreicht und damit nicht unter das Urheberrechtsgesetz fällt, kann im gewerblichen Bereich in bestimmten Fällen das Lauterkeitsrecht gegen einfaches Kopieren geltend gemacht werden.
Rechtsinhaber ist der Urheber. Nach § 7 UrhG ist dies der Schöpfer des Werkes, woraus sich ableiten lässt, dass es sich bei ihm nur um eine natürliche Person, also einen Menschen, handeln kann. Dies schließt sowohl juristische Personen als auch Tiere aus. Auch wenn das Werk von Anfang an aufgrund einer Bestellung erschaffen worden ist, so ist doch niemals der Besteller auch Urheber. Diesem kann höchstens ein Nutzungsrecht eingeräumt werden. Auch ein Arbeits- oder Dienstverhältnis ändert an der Urheberschaft nichts; allenfalls kann ein Anspruch auf Übertragung der Nutzungsrechte bestehen.
Haben mehrere Personen ein Werk gemeinsam so erschaffen, dass sich ihre Anteile nicht gesondert verwerten lassen, so steht ihnen das Urheberrecht auch gemeinsam als Miturheber zu (§ 8 UrhG). Die Grenzziehung bei der gemeinsamen Schaffung ist dabei nicht immer leicht und macht auch hier eine Einzelfallbetrachtung notwendig. Notwendig ist auf jeden Fall, dass der Miturheber einen schöpferischen Beitrag geleistet hat. Die Miturheber gehen eine Gesamthandsgemeinschaft ein, was vereinfacht gesagt bedeutet, dass Entscheidungen gemeinsam, also unter vorheriger Absprache, getroffen werden müssen.
Bei verbundenen Werken (also Werke, an denen unterschiedliche Urheber für sich einzeln betrachtbare Beiträge geliefert haben (Bsp. Lied und Liedtext)) trifft § 9 UrhG die Regelung, dass unter gewissen Umständen eine Einwilligung eines oder mehrerer Urheber nicht notwendig ist. Wann dies der Fall ist, richtet sich nach dem Grundsatz von Treu und Glauben. Dies führt bei Werken der Filmkunst häufig zu Abgrenzungsschwierigkeiten und Streitigkeiten, denen durch das Fehlen klarer gesetzlicher Grundlagen noch Vorschub geleistet wird. Zumindest kann man diejenigen Beteiligten, die unmittelbaren Einfluss auf das Filmmaterial haben (wie den Regisseur, Cutter oder Drehbuchautor), als Urheber betrachten.
In Deutschland geht man von einem einheitlichen Urheberrecht aus, bei dem der Schutz der ideellen sowie der wirtschaftlichen Interessen eng miteinander verbunden sind (sog. monistische Theorie). Das Urheberrecht wird deshalb für grundsätzlich nicht übertragbar erklärt. Die einzige Möglichkeit ist die Übertragung durch Erbfolge: Nach der ausdrücklichen Regelung des § 28 Abs. 1 UrhG ist das Urheberrecht vererblich. Dagegen schließt § 29 Abs. 1 UrhG eine Übertragung des Urheberrechts, die nicht in Erfüllung einer Verfügung von Todes wegen oder im Rahmen einer Erbauseinandersetzung erfolgt, aus; die Kommerzialisierung des Urheberrechts wird hierdurch also deutlich eingeschränkt.
Kommt es aufgrund eines Erbfalls oder im Rahmen einer Erbauseinandersetzung zu einem zulässigen Übergang des Urheberrechts auf einen oder mehrere Erben, so kommen diesen als Rechtsnachfolgern die dem Urheber zustehenden Rechte zu, soweit das Gesetz keine Einschränkungen enthält (§ 30 UrhG). Ein Alleinerbe kann daher grundsätzlich wie der Urheber über das geerbte Urheberrecht verfügen. Für mehrere Erben gilt, soweit eine Testamentsvollstreckung nicht angeordnet wurde, der Grundsatz des § 2038 BGB, wonach die Erben den Nachlass (also auch das geerbte Urheberrecht) gemeinschaftlich verwalten. Eine Verwertung oder Aufgabe des Urheberrechts kann also, weil sie eine Verfügung über den Nachlassgegenstand darstellt, nach § 2040 BGB nur von den Erben gemeinsam vorgenommen werden; bestehen insoweit Unstimmigkeiten, bleibt dem Erben, der die Verfügung über das Recht anstrebt, nur, nach § 2042 Abs. 1 BGB von den übrigen Erben die Erbauseinandersetzung zu verlangen – im Rahmen derer das Urheberrecht dann auf ihn oder einen anderen Miterben übertragen werden kann, mit der Folge, dass er in den Genuss der Rechtsnachfolge gemäß § 30 UrhG kommt. Der Anspruch auf Erbauseinandersetzung ist im Übrigen, wenn der Nachlass teilungsreif ist, gerichtlich durchsetzbar.
Da die gemeinschaftliche Verwaltung eines immateriellen Rechts regelmäßig größere Schwierigkeiten hervorrufen wird, dürfte die Anordnung einer Testamentsvollstreckung gerade im Hinblick auf zum Nachlass gehörende Urheberrechte in den meisten Fällen sachgerecht sein. Der Gesetzgeber begünstigt deswegen eine solche Anordnung: § 28 Abs. 2 UrhG sieht vor, dass der Urheber durch letztwillige Verfügung die Ausübung des Urheberrechts einem Testamentsvollstrecker übertragen kann, wobei die Regelung des § 2210 BGB, die ansonsten im Erbrecht die Dauer der Testamentsvollstreckung auf dreißig Jahre beschränkt, hierfür keine Anwendung findet.
Das deutsche Urheberrecht dient dem Schutz von Werken der Literatur, Wissenschaft und Kunst, sowie von geistigen oder künstlerischen Leistungen und Investitionen in die Kulturwirtschaft (s.u.). Durch das Urheberrechtsgesetz erhält der Urheber als Rechtsinhaber das Recht, über die Nutzungsrechte an seinem Werk frei und ausschließlich zu disponieren. Hierzu schützt § 11 UrhG den Urheber in seinen geistigen und persönlichen Beziehungen zum Werk. Um dieser Rechtsposition Rechnung zu tragen, werden dem Urheber ein Urheberpersönlichkeitsrecht und Verwertungsrechte zugestanden.
Das Urheberpersönlichkeitsrecht ist besonders in den §§ 12 bis 14 UrhG geregelt, strahlt jedoch darüber hinaus auch auf weitere Normen des Urheberrechts aus (so z. B. auf die Schadensersatzansprüche der §§ 97 ff.). Aus dem Veröffentlichungsrecht des § 12 UrhG ergibt sich, dass dem Urheber die alleinige Bestimmung obliegt, ob, wann und wie sein Werk veröffentlicht wird. Dies umfasst nur die erstmalige Veröffentlichung, von der dann gesprochen werden kann, wenn das Werk der Allgemeinheit der angesprochenen und interessierten Kreise zugänglich gemacht worden ist (§ 6 Abs. 1 UrhG). Durch das Recht auf Anerkennung der Urheberschaft (§ 13 UrhG) ergibt sich, dass der Urheber bestimmen kann, wie, wann und ob sein Werk mit einer Urheberbezeichnung versehen werden soll (vgl. urheberrechtliche Anonymität, auch pseudonyme Urheberschaft). Die Vorschrift wird ergänzt durch § 107 UrhG, wonach ein fälschliches Anbringen einer Urheberbezeichnung durch einen Dritten bestraft wird (mit Geldstrafe oder bis 3-jähriger Freiheitsstrafe). Schließlich versetzt § 14 UrhG den Urheber in die Lage, jede Entstellung oder sonstige Beeinträchtigung seines Werkes unterbinden zu lassen (s. auch Hinweis unter Rechtsprechungsliteratur).
Nach § 39 (Änderungen des Werkes) ist es untersagt, Veränderungen am Werk oder Titel vorzunehmen. Zitat: Abs. (1) Der Inhaber eines Nutzungsrechts darf das Werk, dessen Titel oder Urheberbezeichnung nicht ändern, wenn nichts anderes vereinbart ist. Abs. (2) Änderungen des Werkes und seines Titels, zu denen der Urheber seine Einwilligung nach Treu und Glauben nicht versagen kann, sind zulässig.
Nach § 25 UrhG kann der Urheber vom Besitzer fordern, den Zugang zum Werk (oder dem Vervielfältigungsstück) zu gewähren, sofern dies zur Herstellung weiterer Vervielfältigungsstücke oder Bearbeitungen des Werks erforderlich ist und diesem Interesse seinerseits keine berechtigten Interessen des Besitzers entgegenstehen. Hieraus kann der Urheber allerdings keine Verpflichtung für den Besitzer konstruieren, dass dieser mit dem Werk sorgfältig oder in sonstiger Weise verfahren muss. Wie mit dem Werk letztlich umgegangen wird, bestimmt allein der Besitzer.
Dem Urheber des Werkes steht das ausschließliche Recht der Verwertung zu. Für die ihm hierzu zur Verfügung stehenden Instrumentarien enthält § 15 UrhG eine nicht abschließende Aufzählung. Aus dem Urheberpersönlichkeitsrecht ergibt sich, dass der Urheber an jeder (erneuten) Verwertung teilhaben soll, so dass auch eine modifizierte Inverkehrbringung einen Vergütungsanspruch für den Urheber begründen kann. Dies hängt maßgeblich davon ab, ob der Schutzbereich des Werks tangiert wird, was im Einzelfall entschieden werden muss.
Gem. § 26 UrhG (sog. Folgerecht) steht dem Urheber eines Werkes der bildenden Künste bei dessen Veräußerung (Verkauf) eine Vergütung in Höhe eines bestimmten Prozentsatzes des erzielten Verkaufswertes zu (bis zu einem Höchstbetrag von 12.500 €), wenn der Verkauf durch einen Kunsthändler oder Kunstauktionator im Inland erfolgt. Außerdem normiert die Vorschrift gewisse Auskunftsrechte über den Veräußerer. Die Ansprüche können nur durch eine Verwertungsgesellschaft geltend gemacht werden.
Um die Interessen der Allgemeinheit zu wahren, normiert das Gesetz in den §§ 44a bis 63 UrhG zahlreiche Einschränkungen der Urheberrechte. So ist die Urheberrechtsposition beispielsweise zeitlich begrenzt und tritt die Gemeinfreiheit nach Ablauf einer gesetzlichen Frist (70 Jahre nach dem Tod des Urhebers) automatisch ein (§ 64 UrhG). Außerdem werden Abstriche bei der Ausschließbarkeit gemacht, so beispielsweise durch das Zitatrecht, das Zitate in unterschiedlichem Umfang zulässig macht (Großzitat, Kleinzitat usw.). Darüber hinaus sind weitere Schranken der Nutzungsberechtigung des Urhebers bzw. des ausschließlichen Lizenzinhabers zugunsten einzelner Nutzer, der Kulturwirtschaft sowie der Allgemeinheit vorgesehen.
Sowohl das eigentliche Urheberrecht als auch die Leistungsschutzrechte werden im Urheberrechtsgesetz geregelt. „Schutzgegenstand“ der Leistungsschutzrechte ist jedoch die Leistung an sich. Daher sind sie rechtsdogmatisch in Deutschland eigentlich nicht dem Urheberrecht zuzuordnen. Dennoch werden sie im gleichen Gesetz normiert, nämlich in den §§ 70 bis 95 UrhG.
Das deutsche Urheberrecht sieht zivilrechtliche, strafrechtliche und wettbewerbsrechtliche Instrumentarien vor, um den nicht gestatteten Gebrauch von geschützten Werken zu ahnden. Von einer Schutzrechtsverletzung wird gesprochen, wenn die Ausführungsform des Dritten vom Schutzbereich erfasst wird und ihn verletzt. Zwei verschiedene Varianten sind denkbar: Als erstes könnte das Werk des Dritten identisch mit dem Werk des Urhebers sein, dann wäre der Schutzbereich eindeutig verletzt. Die zweite Variante ist, dass die Ausführungsform des Dritten lediglich dem urheberrechtlich geschützten Werk ähnlich ist. Nur in letztgenanntem Fall ist die genaue Abgrenzung der Reichweite des jeweiligen Schutzbereiches zwingend vonnöten und je nach Einzelfall unterschiedlich und individuell vorzunehmen.
Er wird bestimmt durch die die Schöpfungshöhe begründenden Merkmale. Je größer die dem Werk innewohnende Eigentümlichkeit ist, desto größer kann auch der Schutzbereich gezogen werden. Der sehr geringe Schutzbereich der sog. kleinen Münze ist daher schwer zu verletzen, wohingegen man leicht in den Schutzbereich von Werken mit einer beachtlichen Gestaltungshöhe eindringen kann (so z. B. bei komplexen und markanten Gemälden oder Skulpturen). Dabei finden allerdings nur solche Merkmale Berücksichtigung, die überhaupt zur Bestimmung des Werkes herangezogen werden (so bei einem Roman oder Ähnlichem der besonders fantasievolle Inhalt seiner Ausführungen).
Dem Urheber oder ausschließlichen Lizenzinhaber stehen nachfolgende Ansprüche zur Verfügung: Ein Beseitigungsanspruch gem. § 97 Abs. 1, S. 1, 1. Alt. UrhG zur Beseitigung einer Störung, ein Unterlassungsanspruch gem. § 97 Abs. 1, S. 1, 2. Alt. UrhG um weitere Schutzbereichsverletzungen zu unterbinden, ein Schadensersatzanspruch gem. § 97 Abs. 1, S. 1, 3. Alt. UrhG um die entstandenen Schäden pekuniär zu kompensieren (dabei kann der Berechtigte aus verschiedenen Schadensersatzberechnungsmethoden die für ihn attraktivste gegen den Verletzer wählen; in der Regel wird die Methode der sog. Lizenzanalogie herangezogen), ein Anspruch auf Ersatz immateriellen Schadens gem. § 97 Abs. 2 UrhG, ein auf die unrechtmäßig hergestellten Vervielfältigungsstücke gerichteter Vernichtungsanspruch gem. § 98 Abs. 1 UrhG respektive § 69f Abs. 1 UrhG, ein Anspruch auf Überlassung des Verletzungsgegenstandes gem. § 98 Abs. 2 UrhG, ein Anspruch auf Vernichtung/Überlassung der Vervielfältigungsvorrichtungen gem. § 99 UrhG, ein Auskunftsanspruch gem. § 101a Abs. 1 UrhG, ein Anspruch auf Veröffentlichung des Urteils gem. § 103 Abs. 1, S. 1 UrhG um eventuell eine Abschreckungswirkung herbeizuführen, ein Vorlegungsanspruch gem. § 809 BGB um bei einer eventuellen Unklarheit über die Verletzung des Schutzbereichs Abhilfe zu erlangen, ein Bereicherungsanspruch gem. § 812 BGB um die vom Verletzer unrechtmäßig gezogenen Nutzen einzufordern und ein Rechnungslegungsanspruch, sofern dieser zur Berechnung des Schadens erforderlich ist.
Strafrechtlich sind die nachfolgenden Verhaltensweisen unter Strafe gestellt: Die unerlaubte Verwertung von urheberrechtlich geschützten Werken gem. § 106 UrhG (Geldstrafe – dreijährige Freiheitsstrafe), ein unzulässiges Anbringen einer Urheberbezeichnung gem. § 107 UrhG (Geldstrafe – dreijährige Freiheitsstrafe) und nach § 108b UrhG unerlaubte Eingriffe in technische Schutzmaßnahmen und zur Rechtewahrnehmung erforderliche Informationen (Geldstrafe – einjährige Freiheitsstrafe), wie beispielsweise das Entfernen eines Kopierschutzes. Dabei kann sich das Strafmaß bei gewerbsmäßiger Begehung („professioneller“ Begehung) auf drei Jahre (bei unerlaubten Eingriffen in technische Schutzmaßnahmen) bzw. fünf Jahre (bei gewerbsmäßiger unerlaubter Verwertung) erhöhen. Dabei wird bisweilen ein (ansonsten sehr seltener) schuldausschließender Verbotsirrtum anzunehmen sein, da sich ein potentieller Täter, der sich in einer rechtlichen Grauzone bewegt, eines Gesetzesverstoßes durchaus nicht bewusst sein kann. Dabei dürfen ihm jedoch nicht die leisesten Zweifel in den Sinn kommen, dass das, was er gerade tut, in vollkommenem Einklang mit der Rechtsordnung geschieht. Mit Ausnahme von im gewerblichen Umfang begangenen Taten (§ 108a) werden diese Straftaten nur auf Antrag verfolgt, sofern die Strafverfolgungsbehörde nicht ein Eingreifen aufgrund des besonderen öffentlichen Interesses für geboten hält (§ 109).
Die Frist für den Strafantrag beträgt drei Monate ab Kenntnis des Berechtigten von Tat und Täter (§ 77b) StGB.
Im Jahr 2009 wurden bundesweit 229 Personen wegen Verstößen gegen das Urheberrecht verurteilt, von denen ein gutes Dutzend eine Freiheitsstrafe erhielt.
Die Übernahme eines auf fremden Leistungen beruhenden Erzeugnisses kann auch gegen § 3 UWG verstoßen. Danach sind unlautere Wettbewerbshandlungen, die geeignet sind, den Wettbewerb zum Nachteil der Mitbewerber, der Verbraucher oder der sonstigen Marktteilnehmer nicht nur unerheblich zu beeinträchtigen, unzulässig. Nicht unzulässig nach § 3 UWG ist grundsätzlich die Übernahme eines fremden Erzeugnisses, das nicht urheberrechtlich geschützt ist. Über die bloße Übernahme des fremden Erzeugnisses hinausgehende Umstände können jedoch zur Einschlägigkeit des § 3 UWG führen. Das hat zur Folge, dass § 8 UWG dem Geschädigten einen Unterlassungsanspruch und § 9 UWG einen Schadensersatzanspruch gewährt.
Die Vollstreckung wegen einer Urheberrechtsverletzung geschieht nach den allgemeinen Regeln der ZPO. § 113 UrhG gibt die Möglichkeit, in das Urheberrecht wegen Geldforderung zu vollstrecken, wenn der Rechtsinhaber damit einverstanden ist.
Das Internationale Urheberrecht ist ein Teilgebiet des Internationalen Privatrechts. Es bestimmt als Kollisionsrecht, wann welches Recht angewandt wird. Daneben existiert das nationale Fremdenrecht, das festlegt, ob ein Ausländer sich überhaupt auf den Schutz des jeweiligen Urheberrechtes berufen kann. Dies ist hauptsächlich in Staatsverträgen geregelt.
Da das Urheberrecht nirgends belegen ist (wie etwa das Eigentum), ist es schwer einer Rechtsordnung zuzuweisen. Zur Lösung des Problems werden zwei Theorien vertreten: Das Territorialitätsprinzip und das Universalitätsprinzip. Das Territorialitätsprinzip steht in Zusammenhang mit der Vorstellung, dass das Urheberrecht erst durch staatliches Privileg entstehe und somit auch nur innerhalb des jeweiligen Territoriums gelte. Demnach kann man weniger von dem Urheberrecht als von einem Bündel von Ansprüchen nach nationalem Recht sprechen. Das Universalitätsprinzip geht auf die naturrechtliche Vorstellung zurück, dass ipso iure mit der Schöpfung universell ein Urheberrecht entstünde, das durch die einzelnen nationalen Gesetze nur der Ausgestaltung bedürfe.
Das Urheberkollisionsrecht hat in Deutschland keine gesetzliche Regelung erfahren. Die herrschende Meinung unterstellt (Eugen Ulmer folgend) den Anspruch dem Recht des Staates, für dessen Gebiet der Schutz beansprucht wird. Die Gegenansicht (Schack) hält dies mit der naturrechtlichen Begründung des Urheberrechts für überholt und will das Urheberrecht einem einheitlichen Statut unterstellen. Dies geht auf den internationalprivatrechtlichen Grundsatz des Schutzes wohlerworbener Rechte zurück.
Das Urheberrecht verfügt über eine große Zahl spezieller gesetzlicher Regelungen um die Handhabung im täglichen (Rechts-) Verkehr zu gewährleisten. Sie sind in den §§ 28 bis 44, §§ 69a bis 69g UrhG normiert, ansonsten können die allgemeinen Vorschriften aus dem BGB hinzugezogen werden. Es muss dabei beachtet werden, dass es sich bei Rechtsgeschäften über Schutzrechte um sog. „gewagte Geschäfte“ handelt: Den Vertragsparteien muss bekannt sein, dass bei ungeprüften Rechten die Schutzrechte unexistent und bei geprüften Schutzrechten vernichtbar sein können. Da der Urheber in den meisten Fällen nicht zu einer eigenen Verwertung des Werkes in der Lage ist, kann er einem anderen ein Nutzungsrecht einräumen, § 29 Abs. 2 UrhG. Dies erfolgt dabei entweder durch den Abschluss eines Lizenzvertrages oder eines Verwertungsvertrages.
Für das internationale Urhebervertragsrecht gelten die allgemeinen Regeln des Internationalen Privatrechtes. Somit gilt nach Art. 27 EGBGB Parteiautonomie. Ist kein Recht gewählt, findet die objektive Anknüpfung nach Art. 28 EGBGB statt. Für die Form gilt Art. 11 EGBGB.
Oftmals ist es den Inhabern der Urheberrechte nicht möglich, ihre Ansprüche effektiv wahrzunehmen. Um dies zu erleichtern entstanden Verwertungsgesellschaften. Diese sind Zusammenschlüsse, die nach § 1 des Urheberrechtswahrnehmungsgesetzes „für Rechnung mehrerer Urheber oder Inhaber verwandter Schutzrechte zur gemeinsamen Auswertung wahrnehmen“. Zu den bekanntesten gehören die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, die Verwertungsgesellschaft Wort, die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten und die Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst.
Für Rechtsstreitigkeiten über urheberrechtliche Ansprüche (Urheberrechtsstreitsachen) ist grundsätzlich der ordentliche Rechtsweg gegeben (§ 104 UrhG). Die Zuständigkeit ist auf bestimmte Amts- und Landgerichte konzentriert (vgl. § 105 UrhG).
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Dorfkirche Eickelberg

Die Dorfkirche in Eickelberg, einem Ortsteil der Gemeinde Warnow im Landkreis Rostock in Mecklenburg-Vorpommern, ist ein gotischer Ziegelbau aus dem 14. Jahrhundert. Sie ist eine der Kirchen der Kirchgemeinde Baumgarten in der Propstei Rostock im Kirchenkreis Mecklenburg der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche).

Der aus dem beginnenden 14. Jahrhundert stammende, einschiffige, turmlose und der Backsteingotik zuzuordnende Sakralbau besitzt einen dreiseitigen Ostschluss und ist durch Strebepfeiler bewehrt. Der Innenraum ist mit einer flachen Holzdecke versehen. In der Nord- und Südfassade befinden sich spitzbogige, vermauerte Portale. An beiden Seiten ist die Existenz ehemaliger Sakristei-Anbauten zu erkennen. Das Portal an dem Anfang des 20. Jahrhunderts erneuerten Ostgiebel bildet den Eingang zur Kirche. Auch die Fenster sind spitzbogig ausgeführt. Die Kirchenglocke befindet sich in einem freistehenden Glockenstuhl auf dem Friedhof neben der Kirche.
Aktuell (Stand: 2010) ist die Kirche als sanierungsbedürftig eingestuft. Das Gebäude ist bis ins Fundament mit Rissen durchzogen, so dass demnächst eine Sperrung erfolgen könnte. Für 2010 sind Notsicherungsmaßnahmen vorgesehen. Das Mauerwerk weist Ausbrüche und Fehlstellen auf. Schäden existieren ebenfalls an Stützpfeilern, Fenstern und Fußböden. Der Innenraum kann nur noch eingeschränkt genutzt werden.
Zu den wenigen erhaltenen Einrichtungsgegenständen der Kirche zählen eine spätromanische Granitfünte, zwei Grabplatten der Familie von Lützow im Renaissance-Stil, zwei K. v. Lützow gewidmete Epitaphe, eines mit Reliefdarstellungen (um 1590) und die Kanzel vom Ende des 16. Jahrhunderts, die Anfang des 20. Jahrhunderts überformt wurde. Reste des Prospektes zeugen von der ehemals vorhandenen Orgel.
Eine Parochie Eickelberg wurde 1287 erstmals urkundlich erwähnt.
Das Kirchengebäude besaß ursprünglich einen Turm, der vermutlich einstürzte und dessen Reste um 1780 abgetragen wurden. Anstelle dessen wurde am Westende des Daches ein kleiner Ausbau für zwei Glocken eingerichtet. Durch das Glockenläuten bedingte Erschütterungen führten zu Schäden am Mauerwerk, so dass 1902 ein freistehender Glockenstuhl errichtet und der Ostgiebel erneuert wurde.
53.77446738527311.817347841182Koordinaten: 53° 46′ 28″ N, 11° 49′ 2″ O

Horace Silver

Horace Ward Martin Tavares Silver (* 2. September 1928 in Norwalk, Connecticut; † 18. Juni 2014 in New Rochelle, New York), eigentlich Silva, war ein US-amerikanischer Jazzpianist und Komponist.

Silver begann als Tenorsaxophonist (mit Lester Young als Vorbild), wechselte aber dann durch Graham Forbes, mit dem er befreundet war, zum Klavier. 1950 entdeckte ihn Stan Getz in einem Club in Hartford, Connecticut, und ging mit dessen Trio auf Tour. Mit Getz machte er auch seine erste Aufnahme. 1951 zog er nach New York, wo er bei den Jamsessions am Montagabend den Produzenten von Blue Note Records auffiel. 1952 und 1953 nahm er dort mit eigenem Trio auf, zu dem auch Art Blakey gehörte, mit dem er gemeinsam die Jazz Messengers gründete (erste Aufnahme unter diesem Namen 1954), eine Formation, die stilbildenden Einfluss bei der Entstehung des Hard Bop hatte. Horace Silvers Stil ist geprägt von einer perkussiven Spielweise mit treibenden funky Rhythmen und prägnanten Melodien. Bekannt wurde er durch seine Interpretationen meist eigener Stücke in rhythmisch sehr exakten Arrangements und seinem farbenreichen Stil.
Formal hat er die Grundstruktur des Bebop „auf ganz besondere Weise“ zu erweitern gewusst, indem er 12-taktige Blues- und 8-taktige Songformen miteinander kombinierte oder Themen mit ungerader Taktzahl schrieb. Diesen Ausbruch aus den herkömmlichen Schemata hat Silver nicht als erster begonnen, doch ist seine Wirkung bis in die Rockmusik zu verfolgen. Silver wurde durch seine erfolgreichen Alben einer der Blue Note-Stars und erhielt von dessen Mitgründer Alfred Lion erhebliche Freiheiten (bis hin zur Gestaltung von Cover und Liner Notes).
Silver wurde durch zahlreiche Musikstile beeinflusst, insbesondere durch Gospel, afrikanische Musik und lateinamerikanische Musik. Letzteren bringt Silver schon aus seinem Familienhintergrund mit – er hat neben irischen auch afrikanische Wurzeln, seine Familie stammt von den Kapverden, wo sie sich den „Portuguese“ zugehörig fühlte. Silver war nicht nur ein Hard-Bop-Pionier, sondern auch einer der Begründer des Soul-Jazz. Er war u. a. Komponist der Stücke „Sister Sadie“, „Filthy McNasty“, „Tokyo Blues“, „Song for My Father“ (geschrieben für seinen von den Kapverdischen Inseln stammenden Vater) und „Señor Blues“ u. v. a., die zu Jazzstandards avancierten.
Silver spielte bis Ende der 1950er Jahre mit vielen Jazzgrößen, u. a. mit Lester Young, Clark Terry, Miles Davis, Kenny Clarke, Milt Jackson, Kenny Burrell und Cannonball Adderley. Seitdem spielte er nur mehr (fast) ausschließlich mit seinen eigenen Bands. Nach seiner Zeit mit den Jazz Messengers gründete er 1956 ein eigenes Hard-Bop-Quintett, in dem ähnlich wie bei Blakey junge Talente gefördert wurden, wie Hank Mobley, Louis Hayes, Junior Cook, Blue Mitchell, Joe Henderson, Woody Shaw oder Michael und Randy Brecker. Die Zusammensetzung seines Quintetts (Tenorsaxophon, Trompete, Rhythmusgruppe mit Klavier) hatte in den 1960er Jahren Vorbildfunktion für viele Jazzcombos. Seit Anfang der 1950er Jahre aktiv, erstreckte sich Horace Silvers erfolgreiche Karriere über einen Zeitraum von mehr als fünfzig Jahren.
Horace Silver starb am 18. Juni 2014 im Alter von 85 Jahren in seinem Zuhause in New Rochelle.
“What is jazz music but another language?” – „Was ist Jazz anderes als eine weitere Sprache?“
“Jazz music stimulates the minds and uplifts the soul of those who play it as well as of those who listen to and immerse themselves in it.” „Jazz stimuliert den Geist und erhebt die Seele sowohl derer, die sie spielen, wie derer, die sie hören und voll und ganz in sie eintauchen.“

Österreichischer Weitwanderweg 01

Der österreichische Weitwanderweg 01 (Nordalpenweg) wurde 1975 als erster österreichischer Ost-West-Weitwanderweg eröffnet. Er erstreckt sich vom Neusiedler See und Wien über die nördlichen Kalkalpen bis nach Bregenz am Bodensee und misst rund 1200 Kilometer. Er führt durch sieben österreichische Bundesländer (Burgenland, Niederösterreich, Steiermark, Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg) und bis in knapp 3000 Meter Höhe.

Der Weg ist im zugehörigen Führer in 50 Tagestouren eingeteilt, wobei die Teilung manchmal mit Vorsicht zu genießen ist (sie legt z. B. Wert auf Übernachtung in Alpenvereinshütten, auch wenn die Etappen dadurch sehr ungleich lang sind). In der Regel ist die Etappeneinteilung des Führers auf geübte Bergwanderer ausgelegt, wobei aber bei fast allen Etappen die Möglichkeit einer geplanten Teilung bzw. eines vorzeitigen Abbruchs besteht, da Schutzhütten oder Gasthöfe am Weg liegen. Bei 92 Kontrollstellen kann man – so gewünscht – Stempel einholen, wobei man bei Durchschreitung eines von drei Abschnitten ein Wanderabzeichen in Bronze, bei zwei Abschnitten eines in Silber, und bei Durchschreitung des Gesamtweges das Wanderabzeichen in Gold erhält. Der Nordalpenweg 01 ist Teilstück des Europäischen Fernwanderweges E4 alpin, von Admont bis zum Riemannhaus sowie zwischen Lamsenjochhütte und Wolfratshauser Hütte begleitet ihn die Via Alpina und durch Tirol auch der Adlerweg.
Die zum Teil ausgesetzten Wege erfordern im gesamten Wegverlauf zwischen Schneeberg (Niederösterreich) und dem Hohen Freschen (Vorarlberg) immer wieder Trittsicherheit und Schwindelfreiheit und sind teilweise nur bei sicheren Wetterbedingungen zu empfehlen. Bei Vereisung können Steigeisen, Pickel und Kletterseil notwendig sein, obwohl die Wegführung an sich keine technischen Hilfsmittel erfordert. Alpine Ausrüstung wie festes Schuhwerk, Biwaksack und ausreichend Wasservorräte (in den Kalkalpen sind Quellen oft rar) sind unbedingt anzuraten. Außerdem ist zu empfehlen, zumindest die Schlüsseletappen in Begleitung anzutreten. Der Großteil der Etappen ist am besten zwischen Juni und Oktober zu begehen, wobei viele Schutzhütten im hochalpinen Bereich nur Juli, August und September geöffnet sind. Geplantes Biwakieren bzw. Zelten im alpinen Ödland ist im Rahmen der (regional unterschiedlichen) rechtlichen Regelungen zwar stellenweise denkbar, die notwendige Ausrüstung stellt allerdings auf anspruchsvollen Hochgebirgsetappen eine nicht zu unterschätzende Zusatzlast dar, was unbedingt mitbedacht werden sollte.
Die Einteilung der folgenden Teilstrecken, deren Kilometerangaben und Gehzeiten sind dem Führer von Wurst, Rachoy, Messeritsch, 1978, entnommen.
Von Ostösterreich ausgehend gibt es zwei Alternativrouten, die auf der Raxalpe zusammenführen. Die Burgenlandroute beginnt in Rust am Neusiedler See (123 m) und führt über Rosaliengebirge (748 m), Semmering (985 m) bis zur Raxalpe (2007 m). Es handelt sich hierbei durchgehend um einfache Flachland- und Mittelgebirgswanderungen.
Die Wiener Route beginnt in Perchtoldsdorf bei Wien (265 m) und führt durch den Wienerwald über den Peilstein (718 m), die Hohe Mandling (969 m), die Dürre Wand (1155 m) und über den steilen Fadensteig und die Fischerhütte (2049 m) auf den Schneeberg (2075 m), den höchsten Berg Niederösterreichs. Sofern keine Vereisung vorherrscht, ist der Abstieg über die romantische Weichtalklamm zu empfehlen. Im hochalpinen Schneeberg/Rax-Massiv sind bereits Trittsicherheit und Schwindelfreiheit von Vorteil, insbesondere beim Aufstieg über den Wachthüttelkamm auf die Rax, der nach dem Abstieg vom Schneeberg im Höllental anschließt.
Beide Routen sind etwa 140 Kilometer lang und erfordern vier bis fünf Tage Gehzeit.
Am Karl-Ludwig-Haus (1804 m) auf der Rax vereinigen sich die Wege sodann und führen über den versicherten Gamsecksteig auf den Schneealpenstock (1903 m) mit dem Schneealpenhaus (1788 m). Der Normalweg führt weiter in einem weiten Bogen weiter über das Hinteralmhaus (1446 m). Da dieses derzeit geschlossen ist, ist es besser, direkt vom Schneealpenhaus nach Neuberg (756 m) ins Mürztal abzusteigen.
Auf der anderen Talseite besteigt man nun wieder einfacher die Hohe Veitsch (1981 m) und gelangt über den Seebergsattel (1254 m) ins mächtige Hochschwabmassiv (2277 m). Dieses hat bereits äußerst hochalpinen Charakter. Die Führung der Hauptroute birgt zwar kaum technische Herausforderungen, bei schlechten Bedingungen kann man trotzdem in Schwierigkeiten geraten. Insbesondere die landschaftlich empfehlenswerte Nebenroute über die Hohe Weichsel (Aflenzer Staritzen, 2006 m) erfordert gute Wetterbedingungen. Auf der Hauptroute geht es vom Seebergsattel über die Voisthaler Hütte (1654 m) und das Schiestlhaus (2153 m) auf den Hochschwabgipfel. Von diesem steigt man über ausgedehnte Almen und die Sonnschienhütte (1523 m) nach Eisenerz (769 m) ab.
Die Etappenlänge beträgt rund 140 Kilometer, die erforderliche Gehzeit sechs Tage.
Von Eisenerz geht es wieder über flacheres Gelände nach Radmer an der Stube (729 m). Beim Aufstieg in die Gesäuseberge ist wiederum Trittsicherheit gefragt, da eine sehr steile Schuttrinne auf den Lugauer (2206 m) bewältigt werden muss. Danach geht es wieder gemütlicher über einmalige Alm- und Felslandschaften zur Hesshütte (1699 m). Der folgende Abstieg nach Johnsbach (763 m) ermöglicht Unerschrockenen einen Besuch des dortigen Bergsteigerfriedhofes.
Die weitere Route über die Mödlinger Hütte (1521 m) und die Oberst-Klinke-Hütte (1486 m) führt nach Admont im Gesäuse (641 m), wo sich im dortigen Barockstift die größte Klosterbibliothek der Welt befindet. Von der Oberst-Klinke-Hütte nach Admont kann auch eine empfehlenswerte Nebenroute über die sogenannte Riffel (2106 m) gewählt werden, wobei hier unbedingt Schwindelfreiheit erforderlich ist. Die Route ist bei Nässe gefährlich. Der Abstieg nach Admont ist hier allerdings sehr steil und lange. Über einen nun wieder flacheren Sattel beim Pyhrgasgatterl (1308 m) gelangt man einfach nach Spital am Pyhrn (647 m).
Die Gesamtdistanz beträgt circa 100 Kilometer und erfordert vier Tage Gehzeit.
Weiter geht es zur Talstation der Wurzeralmbahn (807 m). Der folgende Aufstieg durch das Skigebiet auf das Warscheneck (2389 m) ist durch die menschlichen Eingriffe erst im obersten Bereich schön, weshalb eine Auffahrt mit der Standseilbahn oder auch eine Alternativroute durchaus empfohlen werden kann. Vom Warscheneck steigt man über die Zellerhütte (1575 m) nach Vorderstoder und dann Hinterstoder (585 m) ab. Es folgt der Aufstieg auf den Hauptstock des Toten Gebirges. Über das Prielschutzhaus (1420 m) gibt es die Möglichkeit, eine Alternativroute über den Großen Priel (2515 m) zu unternehmen, den höchsten Gipfel der Gegend. Hier sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich, insbesondere bei einem zu querenden, ganzjährigen Schneefeld, das den kümmerlichen Rest eines Gletschers bedeckt. Ansonsten geht man einfacher über den Temelbergsattel (2082 m) zur Pühringerhütte (1638 m) am Elmsee; ein Ort von ungewöhnlicher landschaftlicher Schönheit, wahrscheinlich der beeindruckendste Ort des bisherigen Weges. „Einfach“ bedeutet im Toten Gebirge, dass die Wegführung zwar keine technischen Schwierigkeiten aufweist, jedoch sind die Wege sehr lange und bei Nebel riskant, da die Gefahr besteht, in eine der zahlreichen Dolinen zu stürzen. Außerdem herrscht Wassermangel, weshalb man bereits in Hinterstoder Wasservorräte mitnehmen sollte. Weiter geht es wieder sehr schön über das Albert-Appel-Haus (1638 m) zur Loserhütte (1497 m). Über die Blaa-Alm (894 m) besteigt man die Hänge des Sandling (1717 m) und gelangt schließlich nach Bad Goisern am Hallstätter See (500 m).
Die zurückzulegende Entfernung beträgt rund 120 km und ist in etwa fünf Tagen Gehzeit bewältigbar.
Hier teilt sich der Weg in eine einfachere Variante und die hochalpine Route über das Dachsteinplateau. Letztere ist schwierig und nur bei guten Bedingungen und Trittsicherheit zu empfehlen. Auf ersterer geht man über die Theodor-Körner-Hütte (1466 m) und die Hofpürglhütte (1705 m) nach Lungötz im Lammertal (1828 m). Danach folgt eine einfachere Almenwanderung den Fuß des Tennengebirges entlang über die Dr.-Heinrich-Hackel-Hütte (1526 m) nach Werfen (548 m) im Salzachtal.
Die hochalpine Variante führt von Bad Goisern am Ufer des Hallstätter Sees nach Hallstatt (511 m), einem berühmten Fundort von Fundstücken der älteren Eisenzeit und idyllischem Ort. Hier beginnt der Aufstieg ins Dachsteinmassiv, wobei es bis zur Simonyhütte (2206 m) noch einfach dahin geht. Der einfachste Weg über die Hoßwandscharte (2197 m) und die Adamekhütte (2196 m) zur Hofpürglhütte (1705 m) ist auch schon anspruchsvoll und setzt gute Bedingungen voraus. Der ursprüngliche Hauptweg führt über Hallstätter Gletscher, Steinerscharte und Gosauer Gletscher zur Adamekhütte, alternativ kann man vom Hallstätter Gletscher auch den Hohen Dachstein (2995 m) besteigen, wobei für die beiden letzten Varianten Gletscherausrüstung und ebensolche Erfahrung notwendig sind. Von der Hofpürgelhütte führt der Weg nach Lungötz, wo sich die beiden Varianten vereinen.
Die Länge dieses Abschnitts beträgt etwa 100 Kilometer die in vier bis fünf Tagen Gehzeit zu bewältigen ist.
Ab Werfen gibt es wieder eine Normalvariante, die jedermann zuzutrauen ist, und eine hochalpine Variante über den Hochkönigstock. Dieser ist bei Nebel äußerst gefährlich und sollte nur bei guten Bedingungen bestiegen werden. Von Werfen (548 m) erreicht man in 2400 Höhenmeter Aufstieg über die Ostpreußenhütte (1628 m) – wo eine empfehlenswerte Möglichkeit besteht, den anstrengenden Aufstieg zu teilen –, das Franz-Eduard-Matras-Haus auf dem Gipfel des Hochkönigs (2941 m). Hier wird der höchstgelegene Punkt an der offiziellen Route dieses Fernwanderwegs erreicht.
Der folgende Übergang ins Steinerne Meer zum Riemannhaus (2177 m) ist mit kurzen Gletscherquerungen, bei denen keine Gefahr von Gletscherspalten besteht, unversicherten leichten Kletterstellen und zehn bis zwölf Stunden Gehzeit über das Wildalmkirchl-Biwak (2457 m), das nach etwa zwei Drittel des Weges erreicht wird, ohne sonstigen Schutzhütten am Weg, eine der Schlüsseletappen des gesamten Fernwanderwegs 01.
Die Hauptvariante führt hingegen von Werfen über die Erichhütte (1546 m) nach Maria Alm (802 m), von wo wiederum zum Riemannhaus aufgestiegen werden muss. Weiter geht es auf einfacheren Wegen über das Ingolstädter Haus (2119 m) nach Lofer (626 m) im Saalachtal.
Die Distanz dieser Etappe beträgt rund 90 Kilometer und erfordert vier Tage Gehzeit.
Die folgenden Etappen bis Kufstein bereiten keinerlei technische Schwierigkeiten und sind auch bei mäßigen Bedingungen problemlos zu gehen. Von Lofer erreicht man über die Loferer Alm (1348 m) das Schigebiet Steinplatte (1360 m) und geht weiter zum Straubinger Haus (1598 m).
Von Lofer zur Steinplatte gibt es auch eine schwierige Variante durch die Loferer Steinberge über die Schmidt-Zabierow-Hütte (1966 m) und das Waidringer Nieder (2372 m), die ausgesetzt ist und ungesicherte Kletterstellen aufweist. Diese ist durchaus empfehlenswert, aber auch ein großer Umweg.
Nach dem Abstieg vom Straubinger Haus nach Erpfendorf (634 m) wird der schöne Weiterweg über die Prostalm (1180 m) empfohlen, obwohl der offizielle Führer eine Straßenwanderung nach Kirchdorf in Tirol (641 m) nach Griesenau (719 m) vorsieht. Hier steigt man ins Kaisergebirge ein und erreicht nach einiger Zeit das Stripsenjochhaus (1580 m), wobei die Gipfel des Wilden Kaisers ausgelassen werden. Durch das idyllische Kaisertal gelangt man alsbald nach Kufstein am Inn (504 m).
Die Länge dieses Abschnitts beträgt rund 100 Kilometer und ist in vier Tagen Gehzeit bewältigbar.
Von Kufstein steigt man ins idyllische Thiersee (617 m) auf und wandert von dort auf endlosen Forststraßen über das Kaiserhaus (706 m) nach Steinberg am Rofan (1010 m). Hier steigt man wieder ins Hochgebirge ein, der Schafsteig über die Rofanspitze (2260 m) ist zwar versichert, aber durch die Exponiertheit bei Gewitter sehr riskant. Der Führer schlägt eine Schlechtwetter-Alternative über die Bayreuther Hütte vor, die allerdings sehr viel länger und anstrengender ist.
Über die Erfurter Hütte (1834 m) erreicht man schließlich Maurach am Achensee (958 m) und dann Pertisau am Achensee (952 m), von wo man ins Karwendelgebirge einsteigt. Dieses Gebiet ist zwar wunderschön, aber doch teilweise intensiv touristisch genutzt und überlaufen. Man durchquert das gesamte Gebirge von Ost nach West über Lamsenjochhütte (1953 m), Falkenhütte (1848 m) und Karwendelhaus (1765 m) und gelangt schließlich nach Scharnitz (964 m) nahe Mittenwald.
Von Scharnitz wandert man weiter nach Leutasch-Obern (1166 m), wo man sich entscheiden muss, ob man über die anspruchsvollere Zugspitze gehen möchte, oder die einfachere Alternativvariante nimmt. Letztere führt über die Ehrwalder Alm (1640 m) nach Ehrwald (994 m). Die Route führt mitten durch das Wettersteingebirge über die Meilerhütte (2366 m) und das Reintal zur Knorrhütte (2051 m) und weiter zum Münchner Haus auf den Zugspitzgipfel (2962 m), die höchste Erhebung Deutschlands. Von hier steigt man mühsam nach Ehrwald ab.
Die zurückzulegende Distanz beträgt rund 180 Kilometer und erfordert sechs bis acht Tage Gehzeit.
In seiner Gesamtheit ist der Lechtaler Höhenweg wahrscheinlich der schwierigste Abschnitt dieses Fernwanderwegs. Mehrere technisch schwierige, wenn auch versicherte Schartenübergänge, die anstrengenden Tagesetappen und die eher spärliche Hütteninfrastruktur tragen dazu bei. Von Ehrwald geht es über den Fernpass (1209 m) und die Loreascharte (2315 m) zur Anhalter Hütte (2042 m) und weiter über Pfafflar (1619 m) zur Hanauer Hütte (1922 m), wobei eine empfehlenswerte, doch schwerere und längere Variante über die Muttekopfhütte (1934 m) und den Muttekopf (2774 m) führt. Weiter über die schwierige Dremelscharte (2434 m) zur Steinseehütte (2061 m). Die für den reinen Wanderer ebenfalls anspruchsvolle Roßkarscharte (2408 m) führt weiter zum Württemberger Haus (2220 m). Über den teilweise ausgesetzten Höhenweg über den Großbergkopf (2612 m) erreicht man die Seescharte, wo sich der Weg mit dem Europäischen Fernwanderweg E5 vereint und gemeinsam mit diesem zur Memminger Hütte (2242 m) in wiederum schöner Landschaft führt.
Es folgt ein weiter Abstieg von rund 600 Höhenmetern in das Parseiertal und darauf ein sehr anstrengender und am Ende auch schwieriger Aufstieg zur Grießlscharte (2632 m). Von hier ist es nicht mehr weit zur Ansbacher Hütte (2376 m), wobei man, wenn man in der Memminger Hütte genächtigt hat und früh aufgebrochen ist, auch noch den Weg fortsetzen kann. Alternativ kann man von der Memminger Hütte auch unter Auslassung der Grießlscharte und durch Einschieben eines zusätzlichen Tages die Parseierspitze (3036 m) besteigen, wofür jedoch Klettererfahrung und Bergseil erforderlich sind. Diesfalls erfolgt die Nächtigung in der Augsburger Hütte (2289 m). Am nächsten Tag folgt man dem schwierigen und ausgesetzten Augsburger Höhenweg zur Ansbacher Hütte.
Ansonsten von dort weiter über den ausgesetzten Thomas-Haas-Weg zum Kaiserjochhaus (2310 m) und zur Leutkircher Hütte (2251 m). Hier kann man sich entscheiden, ob man weiter die Hauptroute über die Ulmer Hütte (2285 m) und den Flexenpass (1773 m) geht, oder die Alternative über die Stuttgarter Hütte (2310 m) wählt.
Die Länge dieses Teilstücks beträgt etwa 180 Kilometer und erfordert sechs bis acht Tage Gehzeit.
Beide Routen vereinigen sich wieder in Zürs am Arlberg (1717 m), einem reinen Wintersportort ohne Sommerinfrastruktur (Keine Verpflegung!). Von hier steigt man auf das Madlochjoch (2438 m) auf und weiter zur Ravensburger Hütte (1948 m) ab. Über den Spullersee erreicht man über den schwierigen, doch umgehbaren Gehrengrat die Freiburger Hütte (1931 m) und sodann die Göppinger Hütte (2245 m) unterhalb der Hochlichtspitze (2600 m). Weiter durch das Bregenzerwaldgebirge zur Biberacher Hütte (1846 m) und über Faschina ins Dorf Damüls (1428 m). Über die Alpe Portla (1710 m) geht es sodann auf den Hohen Freschen (2004 m) mit dem Freschenhaus (1840 m).
Nach dem Binnelgrat endet endgültig der hochalpine Charakter des 01ers, und es geht über Almen und einige Alternativwege nach Dornbirn (440 m), der größten Stadt Vorarlbergs. Von hier aus nimmt man entweder den Fußweg durch das Rheintal oder aber Bus oder Eisenbahn nach Bregenz (400 m) am Bodensee, dem Endpunkt des Nordalpenweges 01.
Die zu bewältigende Distanz beträgt rund 140 Kilometer und erfordert sechs bis sieben Tage Gehzeit.

Bahnstrecke Košice-Barca–Rožňava

Die Bahnstrecke Košice-Barca–Rožňava ist eine Bahnstrecke in der Slowakei. Sie führt von Barca, einem Stadtteil von Košice, über Moldava nad Bodvou und Turňa nad Bodvou nach Rožňava. Sie ist Teil der südslowakischen Magistrale von Zvolen nach Košice. Von Barca bis Haniska ist die Strecke elektrifiziert und abschnittsweise zweigleisig ausgebaut.
Die Konzession zum Bau der Strecke vom damaligen Kaschau im Königreich Ungarn nach Turňa nad Bodvou wurde am 26. Dezember 1889 an Aurel Münnich und Partner erteilt. Die Strecke wurde am 12. Oktober 1890 eröffnet, der Bau kostete zusammen mit den Abzweigen Moldau–Metzenseifen und Počkaj–Baňa Lucia (beide am 1. August 1894 eröffnet) 3.850.000 Kronen. Von der Bedeutung her handelte es sich um eine Lokalbahn. 1896 wurde am Bahnhof von Turňa nad Bodvou die Strecke von Sajóecseg aus angeschlossen, der Teil von Turňa nad Bodvou bis Tornanádaska ist allerdings seit einigen Jahren stillgelegt.
Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Vertrag von Trianon lag die Strecke auf dem Staatsgebiet der neu gegründeten Tschechoslowakei. Infolge des Ersten Wiener Schiedsspruches kam sie von 1938 bis 1945 wieder zu Ungarn.
Nach der Wiederherstellung der Tschechoslowakei im Jahre 1945 bestand Bedarf an einer zweiten Hauptverbindung von der Ostslowakei in den Rest des Landes, da die noch im Ausbau befindliche Bahnstrecke Košice–Žilina überlastet war. Zum Lückenschluss mit der Bahnstrecke Zvolen–Rožňava baute man die 31 km lange Verbindung von Turňa nad Bodvou nach Rožňava, die im Tunnel Jablonovský (3.148 m) das Kalkmassiv des Slowakischen Karstes bei Lipovník durchschneidet. Eröffnet wurde die Strecke am 25. Januar 1955. Damit war die südslowakische Eisenbahnmagistrale fertiggestellt.
Seit den 1970er Jahren wurden einige Abschnitte zweigleisig ausgebaut. Elektrifiziert ist die Strecke von Barca bis Haniska.
Im Fahrplan 2013/2014 verkehren täglich vier Nahverkehrszug-Paare zwischen Turňa nad Bodvou und Košice. Auf dem weiteren Verlauf fahren nur Schnellzüge, die in Moldava nad Bodvou und Rožňava sowie teilweise in Haniska pri Košiciach und Turňa nad Bodvou halten.

Lothar Franz von Schönborn

Lothar Franz von Schönborn (* 4. Oktober 1655 in Steinheim am Main; † 30. Januar 1729 in Mainz) war Fürstbischof von Bamberg (1693–1729), Kurfürst und Erzbischof von Mainz (1695–1729).

Er stammte aus dem Hause Schönborn. Seine Eltern waren der kurmainzische Amtmann Philipp Erwein von Schönborn (1607–1668), der einzige Bruder des Mainzer Kurfürsten und Erzbischofs Johann Philipp von Schönborn (1605–1673), und Maria Ursula, geb. Greiffenclau von Vollrads (1610–1682), eine Nichte des Mainzer Kurfürsterzbischofs Georg Friedrich von Greiffenklau (1573–1629).
Seine Neffen waren die (Fürst-)Bischöfe Johann Philipp Franz von Schönborn (1673–1724), Friedrich Carl von Schönborn (1674–1746), Kardinal Damian Hugo Philipp von Schönborn-Buchheim (1676–1743) und Franz Georg von Schönborn (1682–1756).
Seine Ausbildung erhielt er am Jesuitenkolleg in Aschaffenburg. 1665 wurde Lothar Franz Domizellar in Würzburg, 1667 in Bamberg. Eine Dompräbende in Mainz erhielt er 1674. Er machte seine Kavalierstour durch Holland, Frankreich und Italien. Sein Biennium absolvierte er von 1673 bis 1675 in Wien. In dieser Zeit fand er auch zu einer im Grundsatz prokaiserlichen Haltung. Domherr in Bamberg wurde er 1681 und in Würzburg 1683. Für den Bischof von Bamberg war er in verschiedenen diplomatischen Missionen unterwegs und wurde zum Präsidenten der Hofkammer ernannt. Im Jahr 1689 wurde er Scholastikus und Kustos in Bamberg und Domherr zu Mainz. Noch als Domherr ließ er Schloss Gaibach seit 1694 kunstvoll ausgestalten.
Im Jahr 1693 wurde er zum Bamberger Bischof gewählt. Er wurde 1695 gegen die kaiserliche Empfehlung zum Kurfürsten von Mainz gewählt, nachdem er 1694 Koadjutor geworden war. Kurz nach der Wahl zum Bischof in Mainz erhielt er das erzbischöfliche Pallium und ließ sich zum Priester und Bischof weihen. Er war zwar persönlich durchaus fromm, beschränkte seine priesterliche Tätigkeit aber vor allem auf herausgehobene Ereignisse. Die von seinen Vorgängern begonnenen kirchlichen und liturgischen Reformen wurden in Schönborns Amtszeit fortgesetzt.
In seine Regierungszeit fiel das Verbot der Wahlkapitulationen durch Kaiser und Papst, von dem er für Mainz jedoch päpstlichen Dispens erlangte. Dennoch setzte sich Lothar Franz gelegentlich über Bestimmungen der Wahlkapitulationen hinweg und leistete sich bei Pfründen- und Ämterbesetzungen sowie Steuererhebungen Übergriffe auf Rechte des Mainzer Domkapitels.
Als Reichserzkanzler und Kurfürst ging es ihm um den Erhalt des Reiches und dessen Verteidigung. Auch verteidigte er die bestehenden Institutionen des Reiches gegen Veränderungen. Als Reichserzkanzler konnte er über seinen Neffen und Reichsvizekanzler Friedrich Karl von Schönborn-Buchheim einen gewissen Einfluss auf den Wiener Hof ausüben.
Schönborn spielte eine bedeutende Rolle bei den Kreisassoziationen der Vorderen Reichskreise sowohl im Zusammenhang mit dem Pfälzischen Erbfolgekrieg im Frankfurter Assoziationsrezess wie auch mit dem spanischen Erbfolgekrieg in der Nördlinger Assoziation. Im letzteren plädierte er Anfangs für eine bewaffnete Neutralität der Assoziation, ehe er auf Seiten des Kaisers überging.
Er wirkte 1707 bei der Konversion von Prinzessin Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel zum katholischen Glauben mit und traute sie mit Kaiser Karl VI.. Die Krönung von Kaiser Karl VI. am 22. Dezember 1711 im Frankfurter Dom bildete den Höhepunkt im Wirken von Lothar Franz. Für seine Treue erhielt er 100.000 Gulden, mit denen er 1711 den Bau des Schlosses Weißenstein in Pommersfelden begann. Da er den Kaiser nicht nur gewählt und gekrönt, sondern auch fortgesetzt politisch unterstützt hatte, erhielt er 1726 als Dank zudem die Burg Palanok mit dem Gebiet um Mukatschewe und Tschynadijowo im Königreich Ungarn, einen der größten Besitze in Osteuropa, der aus 4 Städten und 200 Dörfern mit einer Gesamtfläche von 2.400 Quadratkilometern bestand; ein Jahr später, nach Lothar Franz‘ Tod, fiel dieses ungarische Erbe an seinen Neffen Friedrich Karl von Schönborn-Buchheim und blieb bis ins 20. Jahrhundert im Besitz der Familie Schönborn.
Im Jahr 1710 kam es anlässlich der Koadjutorwahl zu einem größeren Konflikt mit dem Domkapitel. Aufgrund hauspolitischer Interessen wollte Lothar Franz einen Verwandten zum Koadjutor einsetzen lassen, um seinem Regierungssystem Stabilität zu verleihen. Das Domkapitel dagegen stellte seinen Domherren Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg als Kandidaten auf und setzte dessen Wahl unter anderem mit päpstlicher Hilfe durch. Ansonsten richtete sich die Politik des Lothar Franz auf den Wiederaufbau des Kurstaates, der durch die Eroberungskriege Ludwigs XIV. gegen die Pfalz (1688–1697) und den Spanischen Erbfolgekrieg stark in Mitleidenschaft gezogen worden war. So wurde z. B. unter seiner Herrschaft 1726 der Mainzer Neubrunnen errichtet, mit welchem er den Bürgern des Bleichenviertels ein besseres Trinkwasser garantieren wollte.
Er beseitigte die Missstände in Verwaltung, Justiz und Finanzwesen durch Reformen, die zu einer strafferen Zentralisierung des Staates führten. Inwieweit Lothar Franz als absolutistischer Herrscher, speziell gegenüber dem Domkapitel zu bezeichnen ist, ist umstritten. Man sagt ihm nach, dass er aus hauspolitischen Gründen nicht absolutistisch regiert hätte, andere sehen ihn als machtvolle, dominante Persönlichkeit. Ihm folgten zwei für Mainz weniger bedeutungsvolle Kurfürsten.
Lothar Franz von Schönborn war, wie auch später seine Neffen, ein bedeutender Bauherr. Schon sein Onkel, Kurfürst-Erzbischof Johann Philipp (1605–1673), hatte nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges zwischen 1655 und 1675 die Festung Mainz mit 16 Bastionen, die einen sternförmigen Gürtel um die Stadt bildeten, und der Zitadelle Mainz als Kommandantur ausbauen lassen. Lothar Franz ließ während des Spanischen Erbfolgekrieges den Festungsbaumeister Johann Maximilian von Welsch einen zweiten Festungsring mit fünf weit vorgeschobenen Forts um die Stadt Mainz errichten (1710–1730). Welsch wurde auch mit dem Bau des Lustschlosses Favorite bei Mainz beauftragt (1700–1722) und erweiterte die Kurmainzische Statthalterei in Erfurt zu einer Vierflügelanlage (1713–1720), Johann Baptist Ferolski errichtete 1721–29 das Mainzer Rochusspital. Vor allem aber wurden die Brüder Dientzenhofer zu Lothar Franz‘ Hofarchitekten: Leonhard Dientzenhofer entwarf 1697–1703 die Neue Residenz Bamberg sowie mehrere Klöster, Johann Dientzenhofer 1711–1718 Schloss Weißenstein in Pommersfelden, letzteres als privaten Landsitz, der bis heute den Grafen Schönborn aus Wiesentheid gehört. Dort kann auch Lothar Franz‘ Bibliothek besichtigt werden sowie die größte private Barockgemäldesammlung Deutschlands mit über 600 Exponaten, darunter Gemälde von van Dyck, Rubens, Brueghel, Giordano, Tizian, Artemisia Gentileschi und Dürer.
Neue Residenz (Bamberg), erbaut 1697–1703
Lustschloss Favorite (Mainz), erbaut 1700–1722
Schloss Weißenstein (Pommersfelden), erbaut 1711–1718
Kurmainzische Statthalterei in Erfurt, erweitert 1713–1720
In Mainz-Altstadt wurde die Schönbornstraße nach ihm benannt. In Hanau, Ortsteil Steinheim, wurde die Schönbornstrasse nach der Familie Schönborn benannt.
Albrecht von Wertheim | Friedrich III. von Aufseß | Anton von Rotenhan | Georg I. von Schaumberg | Philipp von Henneberg | Heinrich III. Groß von Trockau | Veit I. Truchseß von Pommersfelden | Georg II. Marschall von Ebnet | Georg III. Schenk von Limpurg | Weigand von Redwitz | Georg IV. Fuchs von Rügheim | Veit II. von Würtzburg | Johann Georg I. Zobel von Giebelstadt | Martin von Eyb | Ernst von Mengersdorf | Neidhardt von Thüngen | Johann Philipp von Gebsattel | Johann Gottfried I. von Aschhausen | Johann Georg II. Fuchs von Dornheim | Franz von Hatzfeld | Melchior Otto Voit von Salzburg | Philipp Valentin Voit von Rieneck | Peter Philipp von Dernbach | Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg | Lothar Franz von Schönborn
Erzbischöfe 1647 bis 1802 Johann Philipp von Schönborn | Lothar Friedrich von Metternich-Burscheid | Damian Hartard von der Leyen | Karl Heinrich von Metternich-Winneburg | Anselm Franz von Ingelheim | Lothar Franz von Schönborn | Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg | Philipp Karl von Eltz-Kempenich | Johann Friedrich Karl von Ostein | Emmerich Joseph von Breidbach zu Bürresheim | Friedrich Karl Joseph von Erthal | Karl Theodor von Dalberg
Bischöfe ab 1802 Joseph Ludwig Colmar | Joseph Vitus Burg | Johann Jakob Humann | Peter Leopold Kaiser | Wilhelm Emmanuel von Ketteler | Sedisvakanz Christoph Moufang (Diözesanadministrator) | Paul Leopold Haffner | Heinrich Brück | Georg Heinrich Maria Kirstein | Ludwig Maria Hugo | Albert Stohr | Hermann Volk | Karl Lehmann

Burgstall Retterner Kanzel

Der Burgstall Retterner Kanzel bezeichnet eine abgegangene mittelalterliche Höhenburg auf der „Retterner Kanzel“, etwa 700 Meter östsüdöstlich oberhalb von Rettern, einem Ortsteil der Marktgemeinde Eggolsheim im Landkreis Forchheim in Bayern, Deutschland. Die „Retterner Kanzel“ ist der südlichste Punkt der Langen Meile, und weist eine Höhe von 506,3 m ü. NHN auf. Über diese einstmalige Burg sind keine geschichtlichen oder archäologischen Informationen bekannt, die Burgstelle macht allerdings einen unfertigen Eindruck, so dass sie möglicherweise nicht fertiggestellt wurde. Die Stelle wurde während der Vorzeit vermutlich schon als Höhensiedlung genutzt, an der Südspitze wurden vorgeschichtliche Lesefunde gemacht, die sich heute im Historischen Museum Bamberg befinden. Die Burg wird grob auf mittelalterliche Zeitstellung datiert. Erhalten haben sich von der Anlage nur noch Wälle und Gräben, die Stelle ist als Bodendenkmal Nummer D-4-6232-0390: Vermutlich Höhensiedlung des Neolithikums, der Hallstatt- und Frühlatènezeit sowie mittelalterlicher Burgstall geschützt.

Die Burgstelle liegt auf der sogenannten Retterner Kanzel, ein vom Schützenberg nach Südsüdwest gerichteter Bergvorsprung, der bis auf seine Nordnordostseite sehr steil in die umliegenden Täler des Weilersbaches, des Jägersburggrabens und des Sittenbaches abfällt. Am Südostrand befindet sich ein 75 Meter langer Wallzug, dem ein Innengraben folgt. Dieser Wall endet allerdings unvermittelt an beiden Enden, ohne das das Gelände dies bedingt hätte. Deswegen und auch wegen des Fehlens jeglicher weiterer Befestigungsspuren, vor allem an der fast eben in einen leicht eingeschnürten Bergsattel übergehenden Nordnordostseite, kann man wohl vermuten, dass die Anlage nicht fertiggestellt wurde.
Schlösser: Schloss Ermreuth | Schloss Gräfenberg (Steinhaus, Großhaus, Nürnberger Pflegschloss) | Schloss Guttenburg | Schloss Hagenbach | Schloss Hallerndorf (abgegangen) | Schloss Heroldsbach | Neues Schloss (Hiltpoltstein) | Schloss Hundshaupten | Schloss Jägersburg | Schloss Kunreuth | Schloss Pretzfeld | Schloss Schellenberg (abgegangen) | Schloss Thurn | Schloss Unterleinleiter | Schloss Wiesenthau | Wolfsberger Schloss (Gräfenberg) | Schlossruine Wüstenstein
Burgen und Ruinen: Burgruine Bärnfels | Burg Bieberbach (abgegangen) | Burg Dietrichstein (abgegangen) | Burg Dietzhof (abgegangen) | Burg Dörnhof (abgegangen) | Burg Egloffstein | Burg Forchheim | Burg Gaillenreuth | Burg Gößweinstein | Burg Gräfenberg (abgegangen) | Burg Hiltpoltstein (Altes Schloss) | Burg Kohlstein | Burg Moschendorf (abgegangen) | Burgruine Neideck | Burg Niederfellendorf (abgegangen) | Burg Obertrubach (abgegangen) | Burg Oberweilersbach (abgegangen) | Burgruine Regensberg | Burg Reifenberg (abgegangen) | Burg Reuth (abgegangen) | Burg Rothenbühl (abgegangen) | Burg Schlüsselstein (abgegangen) | Burgruine Streitburg | Burgruine Thuisbrunn | Burg Unterleinleiter | Burg Vestenberg (abgegangen) | Burg Wichsenstein (abgegangen) | Burgruine Wolfsberg | Burgruine Wolkenstein
Festungen: Festung Forchheim
Turmhügelburgen (alle abgegangen): Turmhügel Burk | Burgstall Ebermannstadt | Turmhügel Kersbach | Turmhügel Niedermirsberg | Turmhügel Rüssenbach | Turmhügel Wöhr
Herrensitze: Herrensitz Dormitz (abgegangen) | Herrensitz Steinhaus (Dormitz) (abgegangen) | Herrensitz Hammermühle (abgegangen) | Herrensitz Walkersbrunn (abgegangen) | Herrensitz Wannbach
Burgställe (abgegangene, unbekannte Burgen): Abschnittsbefestigung Altenburg | Abschnittsbefestigung Burggraf | Burgstall Alter Schlossberg | Burgstall Altes Schloss (Affalterthal) | Burgstall Altes Schloss (Oberzaunsbach) | Ringwall Altes Schloss (Drügendorf) | Abschnittsbefestigung Borschl | Burgstall Breitensten | Abschnittsbefestigung Burggraf | Burgstall Burgstein (Burg Leutenbach?) | Ringwall Ehrenbürg | Burgstall Hainburg (Burgstall Rüsselbach, Burgstall auf der Katze) | Ringwall Heidelberg | Burgstall Heiliger Bühl | Burgstall Hetzelsdorf | Abschnittsbefestigung Hunnenburg | Abschnittsbefestigung Lehmberg | Burgstall Leutenbach | Ringwall Lindelberg | Burgstall Lindelburg | Abschnittsbefestigung Reisberg | Burgstall Retterner Kanzel | Burgstall Sattelmannsburg (Stadtmers Bürg) | Ringwall Schießberg | Burgstall Schlossberg (Haidhof) (Heidenstein) | Burgstall Thüngfelderstein (Burg Eberhardstein) | Abschnittsbefestigung Tiefenstürmig | Burgstall Unterailsfeld | Burgstall Wartleiten
Wehrkirchen: Wehrkirche Burk (Heilig Dreikönig) | Wehrkirche Dormitz (Unsre Liebe Frau) | Wehrkirche Ebermannstadt (St. Nikolaus) | Kirchenburg Effeltrich (St. Georg) | Wehrkirche Eggolsheim (St. Martin) | Wehrkirche Kersbach (St. Johannes Baptist und St. Ottilie) | Wehrkirche Kirchrüsselbach (St. Jakobus) | Wehrkirche Langensendelbach (St. Peter und Paul) | Wehrkirche Pautzfeld (Mariae Himmelfahrt) | Wehrkirche Pinzberg (St. Nikolaus) | Wehrkirche Willersdorf (St. Bartholomäus)

Villa Noailles

Die Villa Noailles an der Côte Varoise ist ein Monument historique.. Es wird auch „Château Saint-Bernard“ genannt.

Charles und Marie-Laure de Noailles, begüterte und einflussreiche Mitglieder der Pariser Intellektuellenszene, beauftragten 1923 den Architekten Robert Mallet-Stevens (1886–1945), für den dies das erste größere Projekt war, mit der Planung ihrer Villa in Hyères. Die Baustelle wurde von 1924 bis 1929 zum Experimentierfeld für den Architekten, dessen Vorbild der Wiener Architekt Josef Hoffmann, die Studien der niederländische Künstlergruppe De Stijl und die Theorien des Bauhauses waren. Geplant war zunächst eine Winterresidenz „ein kleines Haus so konzipiert, dass die Sonne morgens in die Schlafzimmer und nachmittags in den Salon scheint“. Das Ehepaar erweiterte aber während der Bauzeit das Raumprogramm und es entstanden nach und nach die Schwimmhalle, der Gymnastikraum, der Squash-Raum und weitere Anbauten.
Im Gegensatz zu den zeitgleichen Bauten von Le Corbusier, der seine Villen auf Stützen bzw. Säulen stellte und vom Gelände löste, besteht der Hausneubau von Mallet-Stevens aus einer Aneinanderreihung von Zimmern, deren Fußböden der Topografie des Hanges folgend, unterschiedlich hoch liegen. Die Villa selbst, ein labyrinthisch verschachtelter bühnenartiger Baukomplex dessen Funktion weniger dem Wohnen als der Repräsentation diente. Bestimmt wird das Bauwerk von der „Poesie des rechten Winkels“. Der aus kubischen Baukörpern addierte Komplex gleicht der Ästhetik der De-Stijl-Gruppe. Die Auflösung des Raumes entspricht nicht der klassischen Tradition, sondern folgt der Raumkonzeption von Frank Lloyd Wright. Die Decke des Rosa Salons wird durch eine unregelmäßige tragende Betonkonstruktion gebildet, auf die eine aus unterschiedlichen Rechteckformaten bestehende einfarbige Glasdecke von Louis Barillet aufliegt. Die Südfassade öffnet sich mit zahlreichen Fensterflächen und Terrassen vor den Schlafzimmern nach Süden mit Ausblick auf die Bucht von Hyères. Der Bauherr verlangte, „…keinen Zollbreit Fenster zu opfern, um eine interessante moderne Fassade zu erhalten.“ Die homogenen Fassadenflächen ohne Vorsprünge und Gesimse sind ockerfarben verputzt und reichen bis zur Attika der Flachdächer.
Die Villa in Hyères, deren Eigentümer die Architektur der elitären Belle Époque verlassen und dem rationalistischen Gedankengut Le Corbusiers und des Bauhauses folgten, also mit dem Neubau die Ideale der Modernen umsetzen wollten, blieb unvollendet und ist seit 1972 kein Wohnhaus mehr. Das Objekt ist heute ein Kulturdenkmal, in dem der künstlerische Nachwuchs gefördert wird und in dem beispielsweise Ausstellungen zu Mode und Design stattfinden..
43.1246366.128005Koordinaten: 43° 7′ 29″ N, 6° 7′ 41″ O

Sakdina

Sakdina (Sakdi Na; Thai: ศักดินา, wörtl.: Macht über Land) ist ein in Ziffern ausgedrücktes Maß für gesellschaftlichen Rang , welches in Siam (dem heutigen Thailand) die Einstufung innerhalb der sozialen Hierarchie für alle Untertanen festlegte, ausgedrückt durch eine Maßeinheit, die Rai lautete, wobei 1 Rai einer Fläche von 1.600 m² entspricht.
Es hat sich wahrscheinlich aus dem Brauch entwickelt, dass Könige verdienten Untertanen Land einer gewissen Größe bewilligten. Später vergaben die Könige wohl mehrere Dörfer einschließlich Land und Einwohnern an ihre leitenden Berater. Die so verschenkten Kleinbauern hatten die Pflicht, ihren Oberherrn Frondienste zu leisten. Die Praxis, Land an unterschiedliche Kategorien von Untertanen zu verteilen, schrieb König Borommatrailokanat 1454 in seinem „Gesetz der zivilen, militärischen und Provinzhierarchien“ als das Sakdina-System fest. Gegen Ende der Ayutthaya-Periode war es voll ausgereift, so dass ein jeder Siamese, sei er nun ein Sklave, ein Militärbefehlshaber oder der Vizekönig, seine Position auf der Sakdina-Skala kannte. Zu jener Zeit war wohl die Verbindung einer Position zu einer bestimmten Größe Land verloren, dennoch wurden die Sakdina-Einheiten noch immer in Rai angegeben.
Sakdina bedeutet in übertragener Bedeutung auch „Macht über Arbeitskräfte“, die zur Bebauung dieses Landes notwendig waren. So wurde das gesellschaftliche Ansehen und die soziale Position innerhalb der Hierarchie entscheidend von der Anzahl der erwachsenen, arbeitsfähigen Personen bestimmt, die zur Gefolgschaft gehörten.
Ebenfalls aus der Anfangszeit dieses Systems stammt die einzige Ausnahme dieses Systems: der König selbst. Denn theoretisch verfügte der König über das gesamte Reich, so dass die Ziffer des an den König zuzuweisenden Landes unermesslich groß wäre.
Die Person mit dem höchsten Sakdina war der Uparat („Vizekönig“), nach dem König der zweitmächtigste Mann im Land. Ihm wurden 100.000 Rai Sakdina zugebilligt. Ein Prinz vom Rang eines Chao-Fa bekam 15.000 bis 50.000 Rai. Nachkommen des Königs sowie ihre Mütter hatten 6.000 bis 7.000 Rai. Beamten wurde je nach Rang von 400 bis hinauf zu 10.000 Rai zugewiesen. Nicht-adelige Bürger erhielten weniger als 400 aber mehr als 25 Rai, Sklaven hatten immerhin noch 5 Rai. Frauen, die die gleiche Arbeit oder Funktion ausübten wie Männer, hatten auch die gleiche Anzahl Rai.
Wurde eine Person innerhalb der Hierarchie befördert oder wurde ihm ein königlicher (Adels-) Titel verliehen, so wurde sein Sakdina-Anteil ebenfalls entsprechend erhöht. Beging eine Person ein Verbrechen, so wurde eine Strafe verhängt, die proportional zu seinem Sakdina-Status stand. Beispielsweise wurde ein Ehebrecher mit einem Sakdina von 10.000 Rai mit einer Summe von 2.000 Baht in Silber bestraft, bei einem Sakdina von 5.000 Rai betrug die Strafe 1.200 Baht, ein Sklave mit 5 Rai Sakdina musste 160 Baht bezahlen.
Erst König Chulalongkorn (Rama V.) schaffte am Anfang des 20. Jahrhunderts durch seine Reformen das Sakdina-System ab.
Der radikale Intellektuelle Chit Phumisak behauptete in seinem Werk Chomna khong Sakdina thai nai patchuban („Das Antlitz des thailändischen Feudalismus heute“) 1957, dass der Feudalismus des Sakdina-Systems noch lange nach seiner offiziellen Abschaffung, selbst nach dem Ende der absoluten Monarchie 1932 weiterbestünde.

Joe Friggieri

Joe Friggieri (* 1946 auf Malta) ist ein maltesischer Philosoph, Dichter, Dramatiker und Theaterdirektor. Er ist Professor für Philosophie und stellvertretender Rektor an der Universität Malta.

Joe Friggieri promovierte an den Universitäten Mailand und Oxford. Von 1990 bis 1993 war Friggieri Vorsitzender des Teatru Manoel, 1993 bis 1996 Mitglied der Broadcasting Authority, 1971 bis 1974 Herausgeber des Kunstjournals Arti , Gründungsherausgeber von Kultura 21 sowie aktiver Teilnehmer und Produzent verschiedener Kulturprogramme in Radio und Fernsehen.
Er hatte verschiedene Forschungsstipendien und arbeitete als Dozent an den Universitäten von Venedig (Ca’ Foscari), Amsterdam, St. Andrews, Augsburg, Genua, Rome (Roma Tre) und Sassari.
Joe Friggieri hatte den Vorsitz des Edward de Bono Institutes für Design und Entwicklung des Denkens sowie des Instituts für Tourismus, Transport und Kultur inne. Als Präsident der „Philosophy Society“ liefert er regelmäßig Beiträge zur politisch soziokulturellen Debatte. Derzeit ist er Vorsitzender des Internationalen Instituts für Barockstudien, Malta.
Unter anderem publizierte Joe Friggieri zwei Werke über den englischen Philosophen J. L. Austin, drei Gedichtsbände, eine ganze Anzahl an Theaterstücken und die erste Geschichte der Philosophie in seiner Muttersprache Maltesisch, genannt „In-Nisga tal-Hsieb“. Joe Friggieri produzierte über vierzig Theaterstücke, darunter sieben der beliebtesten Dramen von Shakespeare. Er übersetzte Aristophanes, Molière, Ibsen, Chehov, Pirandello, Ugo Betti, Ionesco und Arthur Miller. Unter seiner Leitung wurden vier Opern aufgeführt, und er schrieb das Libretto für Charles Camilleris Il-Weghda, der ersten Oper in maltesischer Sprache sowie die Liedtexte dreier Liederzyklen desselben Komponisten.
Seine letzte Anthologie, die aus kurzen Erzählungen, Ħrejjef għal Żmienna (Tales for Our Times) besteht und ursprünglich auf Maltesisch erschienen ist, wurde von David E. Cooper im London Times Literary Supplement unter dem Titel Crammed with Fine Dreams besprochen. Er schreibt wie folgt (Originaltext in engl. Sprache):
„Joe Friggieri knüpft mit einem Sinn für das Nostalgische an Zeiten an, die noch nicht so lange vorbei sind und die mit solchen Kindheitserinnerungen ausgeschmückt sind, die nie ganz vergehen. Mit einer gewissen Wehmut wird an Momente gedacht, wo Menschen sich noch an den Wundern einfacher Dinge erfreut haben- wie der Schuljunge beispielsweise, den ein Kaleidoskop mit Phantasie solange beflügelte, bis ein neuer Lehrer kam und die Kaleidoskope für Zeitverschwendung erklärte.“
Diese Kurzgeschichten wurden auch ins Französische übersetzt und von Filprint (Malta) unter dem Titel Contes de Notre Temps verlegt. Die deutsche Übersetzung erscheint im September 2015 unter dem Titel „Erzählungen für unsere Zeit“ bei ArtoEdition in Berlin. Joe Friggieris letzte Publikation sind das Theaterstück L-Ghanja tac-Cinju, Über die letzten Tage von Sokrates, und ein Stück für Kinder und junge Erwachsene über Aesops Fabeln Fil-Gnien ta’ Esopu.
Joe Friggieri gewann mehrere Literaturpreise, unter anderem fünf Mal den „National Literary Prize“ von Malta (1993, 1999, 2003, 2008 und 2013) und den „Francis Ebejer Preis“ für das beste Theaterstück und die beste Uraufführung (Caravaggio: L-Inkjesta, Manoel Theatre, 2007). 2008 wurde er für seinen Beitrag zum kulturellen Leben Maltas zum Mitglied des Order of Merit (MOM) ernannt. 2012 gewann Friggieri den ersten Preis des „Francis Ebejer Wettbewerbs“ für Hörspiele.